Der Empowermentansatz

Ein zentraler Ansatz in der Antidiskriminierungsarbeit ist die Unterstützung Betroffener. Hierfür findet das Empowerment-Konzept seine Anwendung. Methodisch findet der Empowerment-Ansatz im Rahmen der Einzelfallberatung statt. Als eigenständiger Ansatz kann er auch in Form von Bildungs- und Sensibilisierungsangeboten verankert sein und in der Projektarbeit als Ziel formuliert und  angestrebt werden.

Was heißt Empowerment?

Der Begriff Empowerment – Selbst-Bemächtigung, Selbst-Befähigung – stammt ursprünglich aus der amerikanischen Bürgerrechts- und Behindertenbewegung der 60er und frühen 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Er entwickelte sich aus den praktischen Erfahrungen von Selbsthilfeinitiativen und Protestaktionen von sozial benachteiligten Menschen. Ihr Ziel war die Überwindung sozialer Ungerechtigkeiten, Benachteiligungen und Ungleichheiten und das Recht auf ein selbst bestimmtes Leben.

Grundlegende Ziele:

Der Leitgedanke des Empowerment- Konzeptes ist die Stärkung der Betroffenen. Das Konzept ist prozesshaft ausgerichtet. Die Betroffenen lernen ihre   Angelegenheiten selber in die Hand zunehmen, sich dabei ihrer Fähigkeiten bewusst zu werden, eigene Kräfte und Ressourcen nutzen zu lernen und ihr Vertrauen in die Veränderbarkeit zu stärken.
Damit steht Empowerment im Gegensatz zum traditionellen „Klientenbild“ der „Sozialen Arbeit“, das eher von den Defiziten des „Klienten“ geprägt ist (Defi-zitorientierung).
Methodisch bedeutet Empowerment die aktive Förderung solidarischer Formen der Selbsthilfe und Selbstorganisation, mit den Zielen der Selbstbestimmung, der sozialen Gerechtigkeit und der demokratischen Partizipation (Teilhabe). Die Bereitstellung von  Informationen und der Zugang dazu, die Entwicklung und Stärkung des Selbstvertrauens und der Kommunikationsfähigkeiten der Betroffenen, sind elementare Schritte jeder Empowermentarbeit.
Die Gründe für soziale Ausschlüsse liegen nicht allein im Individuum, sondern auch in der Gesellschaft, in den Ungleichheiten beim Zugang zu Macht und Informationen, weshalb Empowerment immer auch eine gesellschaftlich-politische Dimension hat. Dabei kommt dem Perspektiven- und Paradigmenwechsel eine wichtige Rolle zu, der u. a. auch den historisch- gesellschaftlichen Kontextbezug ermöglicht.

 

Empowerment

Für die Antidiskriminierungsarbeit bedeutet dies, dass im Rahmen des Empowerment-Ansatzes Unterstützungsangebote entwickelt werden, die Selbständigkeit und Selbstbewusstsein fördern.

Dabei spielen Aspekte wie Traumatisierung, Verinnerlichung diskriminierender Erlebnisse und den daraus resultierenden Verhaltens- und Reaktionsmustern, in der kritischen Auf- und Bearbeitung von Diskriminierungserfahrungen eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung adäquater Handlungsstrategien.

Durch die Stärkung der eigenen Kommunikations- und Konfliktfähigkeit lernen Betroffene sich nicht nur als Opfer zu erfahren, sondern als handelnde, aktive Personen.

Für Projekte, die zum Ziel haben, sich für sozial Ausgegrenzte zu engagieren, bedeutet dies, dass sie die Sichtweisen und die Selbstwahrnehmung der Betroffenen berücksichtigen müssen.